Kommentar

Ein einheitlicher klinischer Messenger muss mehr bieten als Chatten

Ein Kommentar zur Forderung der Bundesärztekammer nach einer einheitlichen Kommunikations-App 
von Sebastian von Lovenberg, Vertriebsleiter DACH, Allm EMEA



21.07.2020; Lesedauer: 3 Minuten

Erlangen, Juli 2020 – In ihrem Anfang Juli veröffentlichten Positionspapier fordert die Bundesärztekammer (BÄK) mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen und u.a. die Einführung eines einheitlichen Messengers für Ärztinnen und Ärzte – ein richtiger wie wichtiger Schritt.

 

Laut einer Bitkom-Studie werden Messenger-Dienste von rund 90% der Deutschen genutzt. Die Möglichkeit, schnell, einfach Informationen zu teilen, verbreitet sich auch in Kliniken rasant. Kein Wunder: Zwei Drittel der Ärzte halten Messenger-Dienste für ein geeignetes Mittel, die Kommunikation innerhalb des Behandlungsteams oder sektorenübergreifend sicherzustellen.

 

Leider werden in vielen Krankenhäusern handelsübliche, für die private Nutzung entwickelte Messenger genutzt, auch wenn deren Einsatz aus Datenschutzgründen mehr als bedenklich ist. Laut DS-GVO ist der klinische Einsatz solcher Messenger folgerichtig verboten. 

 

Welche Anforderungen Messenger im klinischen Umfeld erfüllen müssen, haben die Datenschutzbehörden des Bundes in ihrem Whitepaper im November 2019 klar festgelegt. Aber auch innerhalb dieses eng gesteckten Rahmens gibt es verschiedene Ansätze: Es gibt Messenger-Lösungen, die sich jeder erstmal beliebig downloaden kann – egal ob Mediziner oder nicht. Dabei fordert die BÄK, dass es eine wichtige Voraussetzung sei, dass eine Ärztin oder ein Arzt zweifelsfrei als solche bzw. solcher identifiziert werden kann. Eine Verifizierung der Nutzer, gerade im Gesundheitswesen mit sensiblen Patientendaten, ist zwingend.

 

Ein einheitlicher Messenger für das Gesundheitswesen entfaltet nur dann seinen vollständigen Mehrwert, wenn er flexibel auf die unterschiedlichen Anforderungen seitens der Ärztinnen und Ärzte eingestellt werden kann. Für einen Neuroradiologen ist ein einfach abfotografiertes MRT-Bild beispielsweise wenig aussagekräftig.

 

Zusätzlichen Sinn ergibt die Kommunikation über einen Messenger deshalb, wenn die App problemlos in die unterschiedlichen IT-Systeme der Krankenhäuser, etwa KIS, RIS oder PACS, integriert werden kann. Labordaten müssen genauso einfach geteilt werden können wie DICOM-Bilder. Ein einheitlicher Messenger sollte also die gesamte Bandbreite kommunikativer Möglichkeiten ausschöpfen: Von einfachem Chatten über den Versand von Bildern, Audio- und Videofiles bis hin zum Streamen von DICOM-Datensätzen.

 

Im Zuge der Entwicklung zu einer multidisziplinären, intersektoralen Vernetzung sollten klinische Messenger interoperabel, leicht skalierbar und off-Prem nutzbar sein. Insellösungen und inkompatible Schnittstellen hemmen den Informationsfluss und führen alle Vorteile der schnellen Kommunikation ad absurdum. 

 

Die bestmögliche Patientenversorgung kann nur umgesetzt werden, wenn klinische Fachkräfte immer die Informationen und Bilder zur Hand haben, die sie für Entscheidungen und Behandlungen brauchen. Ziel muss es sein, Expertinnen und Experten zu vernetzen – auch über Krankenhaus-, Sektoren- und Ländergrenzen hinweg. Erst solche Netzwerke ermöglichen den schnellen Austausch klinischer Informationen und Expertise und sind der erste Schritt hin zu einer effizienteren, sektorenübergreifenden Patientenversorgung.


Das Statement wurde auch auf e-health-com.de veröffentlicht.